Lektorin steht auf einer Brücke

Was sind die fünf größten Aha-Momente in meinem Business und was habe ich daraus gelernt? Es ist gut, manchmal innezuhalten und zu reflektieren, welche Ereignisse in meiner Selbstständigkeit prägend und wegweisend für mich waren. Im Guten wie im Schlechten. Und welche Lehren ich daraus gezogen habe. Das macht Mut und hilft vielleicht auch anderen dabei, anzudocken und den Austausch zu suchen.

#1 – Segeltörn zur Planung meiner Selbstständigkeit … und erstes Kundengespräch

Nachdem ich im Sommer 2010 meinen ungeliebten Job von heute auf morgen ohne Rücksicht auf Verluste gekündigt hatte, war der Plan, auf einem Segeltörn in Italien erstmal zur Ruhe zu kommen. Ich wollte in mich horchen und mir über meine berufliche Zukunft Gedanken machen. Selbstständigkeit ja, aber als was genau? Wie gehe ich dabei vor? Was sind die ersten Schritte? Was braucht es? Wo hole ich mir Hilfe? Kann ich das? Wie akquiriere ich meine ersten Kund*innen und werde ich davon leben können? Fragen über Fragen.

Nach zehn Tagen auf See bin ich zu einem Akquisegespräch mit einem der führenden Fremdsprachenverlage in Italien quer über den Stiefel gefahren. Das Gespräch auf Italienisch verlief entspannt und gut. Kein Wunder, nach so einem unsagbar schönen Segelurlaub, mit netten Menschen und vielen Glücksmomenten. Sonnengetankt und tiefenentspannt war ich zu dem Treffen erschienen.

Und am Ende hatte ich einen Vertrag unterzeichnet, monatlich zwei Sprachzeitschriften auf unterschiedlichen Lernniveaus für Deutschlernende zu schreiben. Mit der Option auf feste freie Zusammenarbeit als Autorin für Sprachlehrwerke für Deutsch als Fremdsprache.

Business-Meeting in einer Strandbar am Meer
Projektbesprechung am Meer – Der Anfang einer langjährigen Zusammenarbeit

Am Abend haben wir uns in einer Strandbar getroffen, köstlich gegessen und uns locker ausgetauscht. Der perfekte Start für eine Zusammenarbeit. Und noch immer schreibe ich – inzwischen seit zwölf Jahren – regelmäßig für ELI Publishing und fahre oft nach Italien. In dieser Zeit sind bestimmt 130 Zeitschriften entstanden, die ich zum Teil aus dem Italienischen übersetze und selbst schreibe. Außerdem Schulbücher für Deutsch, Lektüren und andere Unterrichtsmaterialien.

Mein Learning daraus: Möglichst entspannt und ohne große Erwartungen in Gespräche gehen. Daraus kann Großes entstehen.

#2 – Gespräch mit erfahrenen Netzwerkkolleginnen … und Entschluss zur Selbstständigkeit!

Der zweite grundlegende Aha-Moment in meinem Business ereignete sich im November 2010 am Vorabend zur Jahrestagung meines beruflichen Netzwerks Bücherfrauen – Women in Publishing. Einige Frauen waren schon am Abend vor der Tagung angereist und wir trafen uns zum lockeren Austausch im Kaminzimmer.

ein loderndes Kaminfeuer
Netzwerkgespräche vorm Kamin

Wie bereits erwähnt, hatte ich im Sommer meinen ungeliebten Job gekündigt, in der Zwischenzeit ein Buch geschrieben und war mir noch unsicher, wie es für mich beruflich weitergehen sollte. Vom Schreiben allein würde ich nicht leben können, so viel war klar. Mich in einem anderen Verlag als Produktmanagerin/Lektorin bewerben und weiter angestellt arbeiten oder es wagen, mich selbstständig zu machen? Was für eine Vorstellung! War ich dafür wirklich gut genug? Brauche ich nicht noch eine weitere Ausbildung, ein Praktikum oder ein Seminar? War ich schon so weit? Konnte ich das? Oder sollte ich mir nicht besser zur Sicherheit einen Halbtagsjob suchen und dann mal langsam schauen, was wird?

Hatte ich ein Glück, dass ich es an diesem Abend mit vier erfahrenen Bücherfrauen zu tun hatte, die seit Jahren erfolgreich selbstständig waren und mir den Kopf gewaschen haben. Was willst du? Noch eine Ausbildung? Teilzeit arbeiten und dich nebenbei selbstständig machen? Vergiss es! Die Damen waren nicht zimperlich und nahmen mich ganz schön in die Mangel. Sie rieten mir, mich auf mein Können zu verlassen, all meine Kraft zu bündeln und in den Aufbau meines Business zu stecken. Sonst würde das nie was werden. Oder eben weiterhin angestellt arbeiten, wenn ich das lieber wollte. Nein, das wollte ich auf keinen Fall.

Mein Learning daraus: Der Rat von erfahrenen Netzwerkkolleginnen ist Gold wert! Außerdem: Mutig sein, alles auf eine Karte setzen und fokussiert die Existenzgründung in Angriff nehmen. Rund sechs Wochen später habe ich zum 01.01.2011 mein Business „Lektorat Salvador“ angemeldet – und es seitdem keinen Tag bereut.

#3 – Die Euphorie der Existenzgründung … und lernen, lernen, lernen

Die Existenzgründung meines Business als freie Lektorin war mächtig aufregend. Mit Euphorie und Willensdrang besuchte ich Existenzgründungsseminare, schrieb meinen Businessplan, beantragte und bekam Fördergelder, ließ mich zu Strategieplanung und Finanzen coachen, tauschte mich mit anderen Existenzgründerinnen in einem Erfolgsteam aus, beauftragte eine Grafikdesignerin für die Erstellung meiner Website, mit entsprechender Geschäftsausstattung und tollen Visitenkarten. Und ich lernte, lernte, lernte.

aufgeschlagenes Buch mit Visitenkarte, Lesezeichen und Foto
Existenzgründung mit dem Lektorat Salvador 2011

Ich war so glücklich, endlich meine eigene Chefin zu sein, liebte meine Arbeit, war unglaublich strebsam und arbeitete viel. Aber die Arbeit fühlte sich überhaupt nicht nach Arbeit an. Es war schließlich mein Business-Baby, was ich mir erschuf. Ich war wie in einem Sog und Kundenaufträge ließen nicht lange auf sich warten. Mein Mindset war so positiv und alles, was ich mir vornahm, gelang mir. Inzwischen bin ich seit über zwölf Jahren selbstständig mit meinem Lektorat Salvador und liebe meine Arbeit noch immer.

Mein Learning daraus: Mit Überzeugung und einem positiven Mindset ist fast alles möglich.

#4 – Zum 10-jährigen Jubiläum statt geplanter Feier Umdenken und Neuausrichtung

Spoiler: zehn Jahre später … Das 10-jährige Jubiläum meiner Selbstständigkeit im Januar 2021 wollte ich ganz groß feiern und in den sozialen Medien sichtbar werden. Allerdings war ich dort noch überhaupt nicht zu finden und hatte nicht die blasseste Vorstellung von Marketing. Ich war in all den Jahren ziemlich verwöhnt mit festen Kunden, die mich regelmäßig beauftragen. Meine Website war wie von Zauberhand viele Jahre gut gerankt, Google schien sie zu mögen und Auftraggeber kamen mit interessanten Aufträgen zu mir. Aber irgendwann wendete sich das Blatt. Google disste mich und ich hatte verlernt zu akquirieren und mich rechtzeitig um Folgeaufträge zu bemühen. Tja, selbst schuld …

Dann kam Corona und mir gingen viele Aufträge verloren. Veranstaltungsbroschüren wurden durch abgesagte Veranstaltungen nicht mehr benötigt. Werbeagenturen beauftragten mich nicht mehr, Stiftungen gingen in Kurzarbeit und Verlage verschoben geplante Buchprojekte. Plötzlich war mir gar nicht mehr nach Feiern zumute. Wie sollte es die nächsten zehn Jahre weitergehen mit meiner Selbstständigkeit? Wie konnte ich mich neu ausrichten? In welche Richtung und als was?

Mein Mindset war im Keller, ich war voller Selbstzweifel und fühlte mich mit 50 plötzlich alt. Wenn ich an die kommenden 10, 20 Jahre dachte, kamen Existenzängste hoch. Was sollte ich tun? Mir einen Teilzeitjob suchen? Der war aber nicht flexibel, wenn ich dann doch einen großen Lektoratsauftrag mit festem Abgabetermin bekam und die KSK duldet nicht-selbstständige Nebeneinkünfte nur in begrenztem Maße. Verdrängen half nicht mehr, ich musste mich neu orientieren.

So stieß ich bei meiner Recherche im Internet auf dieses Online-Business mit skalierbaren Einkünften durch Onlinekurse. Hm, und was sollte ich als Lektorin für Onlinekurse anbieten? War das überhaupt was für meinen Bereich? Ich fand ein Jahresprogramm für den Aufbau eines florierenden Online-Business, das mir regelmäßige Einkünfte versprach und dabei noch leicht und sexy sein sollte. Sollte ich dafür an mein Erspartes gehen?

Frau im am Schreibtisch mit Computer und Mikrofon
Beim Aufnehmen von Videos für meinen Onlinekurs (Fotos 1, 5 und 6 von Philine Bach)

Schließlich gab ich mir einen Ruck, investierte in meine Zukunft und erstellte einen Onlinekurs, mit dem ich Unternehmerinnen zu mehr Sichtbarkeit mit korrekten Texten im Online-Business verhelfe. Ich lernte rasant schnell und viel in kürzester Zeit und kam so richtig ins Tun. Wurde wild durcheinandergewirbelt weit draußen aus meiner Komfortzone und war plötzlich Teil einer ganz neuen Welt und Community.

Noch sind meine Umsätze zwar nicht 6-stellig, aber ich denke, der Weg ist der Richtige. Ich habe mich in den letzten 1 ½ Jahren enorm weiterentwickelt. Bin über mich hinausgewachsen. Habe tolle Frauen kennengelernt und unglaublich viel gelernt. Noch bin ich mir nicht ganz sicher, ob ein Rechtschreibkurs das Must-have-Produkt für meine Zielgruppe ist oder beim Thema noch nachjustieren muss. Aber ich bleibe dran!

Mein Learning daraus: Mich im Business niemals auf meinen Erfolgen auszuruhen, sondern immer wieder in mich und meine berufliche Zukunft investieren. Lebenslanges Lernen ist ein Geschenk! Und Mut haben zu Veränderungen, Neues wagen und wenn es nicht gleich funktioniert, aufstehen, Krönchen richten und weiter probieren. Wachstum findet außerhalb der Komfortzone statt.

#5 – Ich werde Bloggerin … und erhalte Kooperationsangebote!

Nachdem meine selbst erstellte Website seit Oktober 2021 endlich online ist, ist klar, dass ich bloggen muss, damit sie und mein Angebot auch gefunden werden. Zum Jahresende habe ich Judith Sympatexters Jahresrückblog-Challenge entdeckt und musste nicht lange überlegen. Wie cool! Ja, ich wollte meinen Jahresrückblick schreiben zu diesem super ereignisreichen Jahr mit so vielen Learnings.

Hände auf Laptop am Schreibtisch
Bloggen macht glücklich

Mit ihrer Anleitung und ihrer unglaublichen Energie habe ich es geschafft, meinen tief verwurzelten Glaubenssatz „Ich kann nicht schreiben“ zu überwinden und es einfach zu tun. Dabei habe ich Blut geleckt und konnte gar nicht anders, als ihren Jahreskurs The Content Society zu buchen. Die beste Entscheidung ever! Absolute Empfehlung! Seit Dezember habe ich (Stand 26.07.2022) 40 Blogartikel geschrieben, mir viel Content erarbeitet und bin in den sozialen Medien sichtbar geworden. Mein Selbstbewusstsein ist enorm gestiegen. Ich bekomme tolle Kommentare auf meine Blogartikel und habe Anfragen für Gastbeiträge auf anderen Blogs erhalten. Außerdem drei Interviews, zwei Kooperationsangebote für eine regelmäßige Zusammenarbeit und Auftragsanfragen.

Mein Learning daraus: Bloggen ist ein Meilenstein für mein Business, meine Sichtbarkeit und mein Angebot. Hier kann ich meine Persönlichkeit und Expertise zeigen und werde von meinen Wunschkundinnen wahrgenommen.


Was waren für dich wichtige Aha-Momente in deinem Business? Ging es dir ähnlich? Hast du Fragen oder Lust auf einen Austausch? Schreib mir. Ich freue mich, von dir zu hören.

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