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Mein Business muss zu mir passen – nicht umgekehrt

Ein Business muss zu mir passen – nicht umgekehrt. Heute ist das einer meiner wichtigsten unternehmerischen Grundsätze. Zu dieser Erkenntnis bin ich allerdings nicht über Nacht gekommen. Es brauchte eine Pandemie, einen Onlinekurs und einige Jahre, bis ich verstand, dass nicht jedes erfolgreiche Geschäftsmodell auch das richtige für mich ist.

Als ich mich 2011 selbstständig machte, wollte ich vor allem eines: gut von meiner Arbeit leben können. Deshalb war ich überzeugt, möglichst viele Dienstleistungen anbieten zu müssen. Neben Lektorat und Korrektorat gehörten auch Projektmanagement, Redaktion, Übersetzungen und verschiedene andere Leistungen zu meinem Angebot. Je breiter ich aufgestellt war, desto größer, so dachte ich, waren meine Chancen auf ausreichend Aufträge.

Diese Strategie ging zunächst auf. Ich arbeitete für Verlage, Unternehmen und Organisationen, schrieb Lehrwerksbeiträge, betreute Buchprojekte und durfte viele spannende Menschen kennenlernen. Meine Selbstständigkeit entwickelte sich gut.

Dann kam das Jahr 2020.

Als plötzlich nichts mehr selbstverständlich war

Mit der Corona-Pandemie änderte sich innerhalb weniger Wochen alles. Viele Projekte wurden verschoben oder ganz abgesagt, Aufträge, mit denen ich fest gerechnet hatte, brachen weg. Zum ersten Mal fragte ich mich ernsthaft, wie es beruflich weitergehen sollte. Ich hatte meine Selbstständigkeit über Jahre aufgebaut und musste nun erleben, wie selbstverständlich Geglaubtes plötzlich ins Wanken geriet.

Zu dieser beruflichen Unsicherheit kam etwas hinzu, das kaum jemand sah. Ich steckte mitten in den Wechseljahren. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und vor allem eine große Erschöpfung bestimmten meinen Alltag. Rückblickend war das eine der schwierigsten Phasen meines Lebens. Trotzdem wollte ich nicht den Kopf in den Sand stecken. Ich wollte handeln und suchte nach einer Möglichkeit, meine Selbstständigkeit krisenfester aufzustellen.

Damals schien die Antwort auf der Hand zu liegen. Überall entstanden Onlinekurse, Mitgliedschaften und digitale Produkte. In Podcasts, Blogs und Webinaren berichteten Unternehmerinnen und Unternehmer von erfolgreichen Launches, automatisierten Verkaufsprozessen und einem Business, das unabhängig von einzelnen Kunden funktionieren sollte. Je mehr ich darüber las, desto überzeugter war ich: Genau das brauche ich auch.

Voller Begeisterung ins Online-Business

Also entwickelte ich einen Rechtschreib-Onlinekurs. Die fachliche Arbeit daran machte mir große Freude. Wissen verständlich aufzubereiten, Lerninhalte zu strukturieren und Menschen beim Lernen zu unterstützen – das entspricht genau meiner Art zu arbeiten. Ich investierte viel Zeit in die Konzeption, überlegte mir Übungen, nahm Videos auf und war stolz auf das Ergebnis.

Doch mit dem fertigen Kurs begann erst der eigentliche Aufbau des Geschäftsmodells. Ich beschäftigte mich intensiv mit E-Mail-Marketing, Launchstrategien, Verkaufsseiten und Social Media. Ich lernte, wie man Newsletter schreibt, Landingpages optimiert und Reichweite aufbaut. Rückblickend habe ich in diesen Jahren unglaublich viel gelernt. Dieses Wissen möchte ich nicht missen.

Eine Frage stellte ich mir allerdings nie:

Passt dieses Geschäftsmodell überhaupt zu mir?

Die Vorstellung vom richtigen Weg

Je tiefer ich in die Online-Business-Welt eintauchte, desto häufiger begegneten mir dieselben Botschaften. Wer erfolgreich sein wollte, sollte sich möglichst täglich zeigen, regelmäßig auf Social Media posten, persönliche Geschichten erzählen und seine Community kontinuierlich mitnehmen. „Menschen kaufen von Menschen“, hieß es. Oder: „Du musst sichtbar sein.“ Und natürlich: „Wer nicht launcht, verkauft nicht.“

Ich halte diese Aussagen bis heute nicht für falsch. Sie beschreiben einen Weg, der für viele Menschen hervorragend funktioniert. Problematisch wurde es für mich an einer anderen Stelle: Oft klangen diese Empfehlungen so, als gäbe es keine Alternative. Als sei genau das der Weg zu einer erfolgreichen Selbstständigkeit.

Mit der Zeit begann ich, diesen Gedanken zu übernehmen. Immer wenn es mir schwerfiel, Videos aufzunehmen oder mich auf Social Media zu zeigen, suchte ich den Fehler bei mir. Ich glaubte, mutiger, disziplinierter oder extrovertierter werden zu müssen. Dass vielleicht nicht ich das Problem war, sondern das Geschäftsmodell, auf das ich setzte, kam mir lange nicht in den Sinn.

Es ging nie um meine Introversion

Ich bin ein eher introvertierter Mensch. Ich arbeite gern konzentriert, höre aufmerksam zu und verbringe Stunden damit, einen Text oder ein Buchprojekt zu verbessern. Das gibt mir Energie. Es entspricht meinen Stärken und meiner Persönlichkeit.

Natürlich kann ich vor Menschen sprechen. Ich habe Vorträge gehalten, Workshops gegeben und später auch Videos aufgenommen. Aber zwischen einem Vortrag und der Erwartung, sich dauerhaft sichtbar zu machen, besteht für mich ein großer Unterschied. Während andere offenbar Freude daran hatten, täglich Inhalte zu produzieren und ihr Leben auf Social Media zu teilen, kostete mich genau das immer mehr Kraft.

Der Widerspruch wurde mit der Zeit immer deutlicher. Der Onlinekurs selbst passte hervorragend zu mir. Das Marketing, das ich dafür dauerhaft hätte betreiben müssen, dagegen überhaupt nicht.

Loslassen ist manchmal die bessere Entscheidung

2023 traf ich eine Entscheidung, die sich zunächst wie ein Rückschritt anfühlte. Ich gab meine Onlinekurse auf. Schließlich hatte ich viel Zeit, Geld und Herzblut investiert. Natürlich fragte ich mich, ob ich vielleicht zu früh aufgegeben hatte oder einfach hätte durchhalten müssen.

Heute sehe ich diese Entscheidung ganz anders. Sie war kein Scheitern, sondern eine wichtige Erkenntnis. Ich hatte verstanden, dass Erfolg nicht bedeutet, jedem Trend hinterherzulaufen oder ein Geschäftsmodell zu kopieren, das bei anderen funktioniert. Erfolg bedeutet für mich, eine Arbeitsweise zu finden, die langfristig zu den eigenen Stärken, Werten und Lebensumständen passt.

Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf Selbstständigkeit grundlegend verändert.

Eine Frage, die ich heute zuerst stellen würde

Wenn ich heute Menschen begegne, die sich selbstständig machen möchten, sprechen wir oft über Positionierung, Marketing oder Zielgruppen. Das sind wichtige Themen. Ich glaube aber, dass es eine Frage gibt, die noch davor kommt.

Passt dieses Geschäftsmodell wirklich zu mir?

Nicht jede Lektorin braucht einen Onlinekurs. Nicht jede Beraterin muss täglich auf Instagram aktiv sein. Nicht jede Selbstständige möchte Influencerin werden. Genauso wenig muss jede erfolgreiche Unternehmerin möglichst viele Einkommensquellen gleichzeitig aufbauen.

Manchmal entsteht der Eindruck, je größer und vielseitiger ein Business ist, desto erfolgreicher sei es. Ich habe inzwischen die gegenteilige Erfahrung gemacht. Ein Business wird nicht dadurch gut, dass es möglichst viele Möglichkeiten bietet. Es wird dann gut, wenn die Art zu arbeiten zur eigenen Persönlichkeit passt.

Was für mich heute Erfolg bedeutet

Heute arbeite ich genau dort, wo ich meine größte Wirkung entfalten kann. Ich begleite Bücher und Publikationen, lektoriere Manuskripte, koordiniere Projekte und arbeite eng mit Autorinnen, Autoren und Verlagen zusammen. Ich darf mich tief in Themen einarbeiten, Zusammenhänge erkennen und dafür sorgen, dass aus guten Ideen hochwertige Publikationen werden.

Das ist vielleicht weniger spektakulär als große Launches oder beeindruckende Umsatzzahlen. Für mich fühlt es sich jedoch richtig an. Ich arbeite in einem Umfeld, das meinen Stärken entspricht, statt ständig gegen meine eigene Persönlichkeit anzukämpfen.

Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, bin ich deshalb sogar dankbar für den Umweg über das Online-Business. Ohne diese Erfahrung wäre ich vermutlich nie zu der Erkenntnis gelangt, die heute zu meinem wichtigsten unternehmerischen Grundsatz geworden ist:

Ich dachte lange, ich müsste mich verändern, damit mein Business funktioniert. Heute glaube ich: Mein Business muss zu mir passen – nicht umgekehrt.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft, die ich heute weitergeben möchte. Es gibt nicht den einen richtigen Weg in die Selbstständigkeit. Es gibt viele Wege. Der beste ist der, der zu den eigenen Stärken, Werten und Lebensumständen passt. Und genau deshalb kann er auch dann tragen, wenn sich die Welt verändert.

Foto von Philine Bach


Wer schreibt hier?

Ich bin Kerstin Salvador – freie Lektorin, Autorin und leidenschaftliche Begleiterin von Menschen und ihren Texten.

Seit 2011 unterstütze ich mit meinem Lektorat Fach- und Sachbücher dabei, klar, verständlich und rund zu werden – ohne dass sich Schreibfehler als kleine Aufmerksamkeitsvampire einschleichen.

Was mich dabei besonders prägt: Ich kenne beide Seiten.
Ich arbeite nicht nur als Lektorin, sondern schreibe selbst Lehrwerke für Deutsch als Fremdsprache und übersetze aus dem Italienischen. Und vielleicht noch wichtiger: Ich weiß, wie viel Herzblut, Zweifel und Entwicklung in einem Text stecken können.

Genau deshalb ist Lektorat für mich mehr als Korrekturen.
Es ist auch ein Raum, in dem Ideen wachsen dürfen – und Autor:innen in ihre eigene Stärke finden.

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Hier erfährst du mehr über meine Arbeitsweise und mein Angebot:

4 Responses

  1. Liebe Kerstin,

    ich finde auch, das eigene Business muss zum Leben passen und nicht umgekehrt, sonst kann man ja auch direkt komplett angestellt arbeiten 😉 Und ja, den eigenen Persönlichkeits-Stil und das dazu passende Geschäftsmodell übereinander zu bekommen, ist gar nicht so leicht, wie es manchmal klingt und kann durchaus Jahre dauern, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen! Umso mutiger finde ich es dann, das schon erreichte wieder einzustampfen und dann auch noch öffentlich darüber zu berichten… finde ich toll, sollten mehr machen 🙂

    Nur als Input, ohne deine Entscheidung in Frage zu stellen: ich kenne jemanden, die macht so gut wie kein Social Media, nur regelmäßige Insta-Stories und benimmt ihre Kunden über Werbung, mit denen sie dann (erfolgreich) Selbstlernkurse ohne persönliche Betreuung verkauft. Es gibt also auch noch andere Nuancen des Onlinebusiness als täglich auf Insta aktiv zu sein….

    Dir alles Gute, auch bei deiner beruflichen Neuausrichtung,

    Nadine

    1. Liebe Nadine, vielen Dank für deinen ausführlichen und wertschätzenden Kommentar. Ja, genau das habe ich auch gelernt: Es braucht manchmal Zeit, bis man erkennt, welches Geschäftsmodell wirklich zur eigenen Persönlichkeit passt. Und manchmal gehört auch der Mut dazu, einen Weg wieder zu verlassen, obwohl er von außen betrachtet erfolgreich aussieht.

      Danke auch für deinen Impuls zu den Online-Kursen. Da hast du völlig recht. Es gibt viele unterschiedliche Wege und einige davon würden wahrscheinlich auch besser zu mir passen als das klassische Launch-Modell. Meine Erkenntnis war aber vor allem, dass ich am liebsten im direkten Austausch mit Menschen arbeite und individuelle Projekte begleite. Genau dort komme ich in einen Flow und kann meine Stärken am besten einbringen. Deshalb fühlt sich meine jetzige Neuausrichtung für mich sehr stimmig an.

      Vielen Dank auch für deine guten Wünsche. Ich freue mich sehr auf das, was jetzt entstehen darf.
      Liebe Grüße
      Kerstin

  2. Hei Kerstin,

    wenn ich deinen Namen google – dann wird mir Kerstin Salvador – Lektorin für dein Onlinebusiness angezeigt.
    Ist das die neue Positionierung oder die alte?

    1. Danke für den Hinweis, liebe Britta! Tatsächlich ist das noch meine alte Positionierung. Meine Website habe ich inzwischen überarbeitet, aber offenbar zeigt Google noch eine ältere Version an. Da muss ich mich wohl noch etwas gedulden oder herausfinden, an welcher Stelle ich Google einen kleinen Schubs geben kann.

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