
Ein guter Freund aus Italien hat mir einmal geschrieben: Organizzati bene con calma e vedrai che ce la fai – organisiere dich in Ruhe, und du wirst sehen, dass du es schaffst. Dieser Satz klebt seitdem auf einem Zettel an meinem Bildschirm. Er begleitet mich durch meinen Arbeitsalltag, erinnert mich daran, innezuhalten, wenn es hektisch wird, und die Dinge mit Klarheit und Struktur anzugehen.
Für mich ist dieser Satz zu einem inneren Mantra geworden. Gerade in Momenten, in denen es turbulent zugeht, wenn viele Aufgaben gleichzeitig drängen oder Unsicherheit aufkommt, hilft er mir, wieder bei mir anzukommen. Nicht schneller werden, nicht härter arbeiten – sondern ruhiger. Auf Italienisch klingt dieser Satz für mich fast wie eine Zauberformel. Und vielleicht ist er das auch ein bisschen.
Als Motto für 2026 habe ich ihn für mich verdichtet und auf den Punkt gebracht: In Ruhe wirksam.
In Ruhe wirksam: Wie ich dieses Motto 2026 mit Leben fülle
Dieses Motto lenkt mich in vielen Lebensbereichen, gibt mir Halt und lässt mich wirksamer sein. Es erinnert mich daran, dass Wirksamkeit für mich nicht aus Hektik entsteht, sondern aus Klarheit, Fokus und innerer Ruhe. Was das im Alltag bedeutet – beruflich wie privat – davon erzähle ich in den folgenden Abschnitten.
Innere Ruhe und Gelassenheit statt Multitasking
Unter Ruhe verstehe ich eine innere Ruhe und Gelassenheit, ein Bei-mir-Sein. Sie steht für mich im klaren Gegensatz zu Hektik, Stress und permanentem Durchpowern – zu diesem „größer, schneller, weiter“, das lange Zeit als erstrebenswert galt.
In meinen Dreißigern, im angestellten Job, war Multitasking das große Zauberwort. Eine ellenlange To-do-Liste und ständig zehn Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, galt als chic. Je mehr Aufgaben, desto besser, desto erfolgreicher. Man konnte sich damit messen – in der Mittagspause mit Kolleg*innen oder implizit über Überstunden. Wer abends als Letzter ging und besonders viel arbeitete, galt als leistungsfähig. Meetings reihten sich aneinander, E-Mails brachten ununterbrochen neue To-dos, mehrere Projekte liefen parallel und wollten gleichzeitig zu einem guten Abschluss gebracht werden. Ich hielt mich damals für multitaskingfähig – was blieb mir auch anderes übrig?
Vor 15 Jahren habe ich die Reißleine gezogen und mich selbstständig gemacht. Ich wollte meine eigene Chefin sein und selbstbestimmt arbeiten. Keine Meetings mehr, keine Zahlen liefern müssen, sondern in Ruhe an meinen Aufträgen arbeiten. In meinem Tempo. Mit weniger Stress und dafür mit mehr Konzentration auf Texte, auf Sprache, auf Feinheiten. Und genau diese brauchen Zeit, Aufmerksamkeit – und Ruhe.

Ständig „on“ sein – warum Social Media meine Ruhe herausfordert
Ob es dadurch wirklich ruhiger um mich geworden ist, weiß ich nicht. Auch als Selbstständige türmen sich viele To-dos – sie sind nur anders gelagert. Neben der eigentlichen Arbeit ist Sichtbarkeit ein zentraler Bestandteil meines Berufs. Schließlich möchte ich als Lektorin gefunden und beauftragt werden.
Social Media, LinkedIn und Netzwerken sind dafür wichtige Kanäle. Sie eröffnen Möglichkeiten, kosten aber auch Zeit und Aufmerksamkeit. Genau hier fordert mich mein Motto „In Ruhe wirksam“ besonders heraus. Ich möchte präsent sein, mich einbringen, guten Content teilen und in den Austausch gehen – strukturiert, fokussiert und bewusst. Nicht im dauernden Reagieren, nicht im ziellosen Durchscrollen, sondern mit klaren Zeitfenstern und einer ruhigen Haltung.
Hinzu kommen private Aktivitäten und Verpflichtungen: Partnerschaft und Familie, Freundschaften, Sport und das Singen im Chor. Auch sie brauchen Zeit, Präsenz und Verlässlichkeit. Ruhe entsteht für mich deshalb nicht durch weniger Aufgaben, sondern durch einen achtsamen Umgang mit meiner Aufmerksamkeit.
Ruhig bleiben in Krisen und Zeiten der Unsicherheit
Mein Job als freie Lektorin, Autorin und Übersetzerin bringt zwangsläufig Unsicherheit mit sich. Auftragsschwankungen gehören zum Alltag. Manchmal kommen mehrere Projekte gleichzeitig, dann wieder ist Ebbe, und die nächste Anfrage lässt auf sich warten. Diese Lücken lassen sich nicht immer kurzfristig schließen. Miete und Lebenshaltungskosten aber laufen weiter.
In solchen Phasen ruhig zu bleiben, fällt mir nicht leicht. Existenzängste melden sich, rauben mir den Schlaf und bringen mich aus der inneren Balance. Besonders dann, wenn Steuernachzahlungen die mühsam aufgebauten Rücklagen schrumpfen lassen. Der Kopf weiß, dass solche Phasen dazugehören – der Bauch fühlt etwas anderes.
Im vergangenen Sommer habe ich deshalb bewusst einen Schritt in Richtung mehr Sicherheit gemacht und einen Teilzeitjob begonnen. Er gibt mir finanzielle Stabilität und entlastet mich mental. Diese Entscheidung war kein Rückzug, sondern ein Akt der Selbstfürsorge. Sie ermöglicht mir, gelassener zu arbeiten und in ruhigeren Phasen wieder größere Lektoratsaufträge anzunehmen.

Abgrenzung von einer unsicheren Weltlage
Wir leben in unsicheren Zeiten. Neue Krisen und Kriege entstehen, rücken näher, überlagern einander. Katastrophen machen betroffen, verunsichern und betreffen uns zum Teil ganz unmittelbar. Die Flut an Nachrichten ist dauerhaft präsent und oft schwer auszuhalten.
Ich merke, dass ich diese ständig auf mich einprasselnden Informationen nur noch dosiert an mich heranlassen kann. Deshalb habe ich für mich klare Grenzen gesetzt: feste Zeitfenster für Nachrichten, bewusste Pausen dazwischen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Selbstschutz. Um in meinem Leben und in meinem Business handlungsfähig zu bleiben, brauche ich diese Abgrenzung.
Das Weltgeschehen läuft weiter – unabhängig davon, wie viel ich konsumiere. Meine Verantwortung liegt darin, gut für mich zu sorgen, um wirksam zu bleiben. Auch hier bedeutet „In Ruhe wirksam“ für mich, aufmerksam zu sein, ohne mich permanent überwältigen zu lassen.
Innere Ruhe durch bewusste Pausen im Arbeitsalltag
Durchpowern und dieses ständige „höher, schneller, weiter“ führen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen. Lange Zeit war ich selbst der sprichwörtliche Duracell-Hase: immer in Bewegung, immer verfügbar, Pausen schienen überflüssig. Vierzehn-Stunden-Tage waren keine Ausnahme, sondern eher die Regel.
Heute weiß ich, dass dieses Modell für mich nicht mehr funktioniert. Mit Mitte fünfzig brauche ich bewusste Pausen – und ich erlaube sie mir auch. Kleine Unterbrechungen, die nichts leisten müssen, sondern mir helfen, wieder bei mir anzukommen. Ein Spaziergang, beim Wäscheaufhängen einen Podcast hören, mittags mit Freude kochen oder ein kurzes Powernapping am Nachmittag: Diese Pausen sind kein Luxus, sondern notwendig.
Meine Arbeit habe ich mir inzwischen in überschaubare Zeitblöcke eingeteilt. Dazwischen baue ich bewusst Pausen ein: Ich stehe vom Schreibtisch auf, lüfte kurz, strecke mich, koche mir einen Tee. Erst dann widme ich mich der nächsten Aufgabe. Diese kleinen Rituale helfen mir, konzentriert zu bleiben – und am Ende wirksamer zu arbeiten.

Nicht alles gleichzeitig: Fokus statt Überforderung
Auch wenn viele To-dos gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen, kann ich immer nur an einer Sache wirklich konzentriert arbeiten. Diese Erkenntnis ist simpel – und im Alltag doch herausfordernd. Früher habe ich versucht, alles parallel zu erledigen. Heute nehme ich mir bewusst Zeit, meine Aufgaben wahrzunehmen, aufzuschreiben und zu priorisieren.
Ich arbeite sie nacheinander ab, ohne Hektik. Mit mehr Gelassenheit und Ruhe komme ich zu besseren Ergebnissen und bin am Ende wirksamer. Der Druck, alles sofort erledigen zu müssen, weicht dabei einem klareren Blick auf das Wesentliche.
Manchmal hilft mir dabei ganz bewusstes, tiefes Atmen. Kleine Atempausen, ein Moment des Innehaltens, reichen oft schon aus, um den Kopf frei zu bekommen. Tempo herauszunehmen bedeutet für mich nicht, langsamer ans Ziel zu kommen – sondern klarer.
Ruhe statt Lärm – warum Stille für mich wirksam ist
Mit Ruhe meine ich nicht nur ein inneres Zur-Ruhe-Kommen, sondern ganz konkret auch Stille. Viele Menschen brauchen Geräusche oder Musik, um sich konzentrieren zu können. Bei mir ist es anders: Ich brauche zum Arbeiten tatsächlich Stille. Nur so kann ich mich wirklich auf Texte, Sprache und Feinheiten einlassen.
Meine Frau Nadja ist Künstlerin und hat ihr Atelier im Zimmer nebenan. Sie hört beim Malen Musik, Reportagen oder Podcasts – über Kopfhörer. So stören wir uns nicht. Diese Rücksichtnahme ist für mich ein wichtiger Teil meines ruhigen Arbeitsalltags.
Wenn ich koche, putze oder Wäsche aufhänge, setze auch ich mir Kopfhörer auf und höre bewusst Nachrichten, Reportagen, Podcasts oder Musik. Dann entscheide ich mich aktiv für Geräusche. Ungefilterter Lärm hingegen – etwa Werbung mit kreischenden, überdrehten Stimmen – ist für mich kaum auszuhalten. Den schalte ich sofort aus.
Stille ist für mich kein Mangel, sondern ein Raum. Ein Raum, in dem ich zur Ruhe komme, mich konzentrieren kann und wirksam werde.

Akzeptanz statt Widerstand: Gelassen handeln in schwierigen Situationen
Manchmal hilft es, schwierige Situationen nicht sofort verändern zu wollen, sondern sie zunächst anzunehmen. Sie bewusst wahrzunehmen, zu akzeptieren und nicht direkt in den Widerstand zu gehen. Dann erst einmal tief durchatmen. Einen Schritt zurücktreten und die Lage neu betrachten.
Gerade in kniffeligen Situationen nutze ich ChatGPT als Coach und Sparringpartner, um meine Gedanken zu sortieren und die nächsten Schritte strukturiert anzugehen. Das hilft mir, aus der ersten emotionalen Reaktion herauszukommen und wieder in eine ruhige, handlungsfähige Haltung zu finden.
Als ich kürzlich meine Anstellung als Korrektorin aufgrund der Einstellung der Printausgabe und daraus resultierender massiver Kürzungen verlieren sollte, geriet ich zunächst in Panik. Existenzängste machten sich breit und raubten mir den Schlaf. Durch das bewusste Innehalten und die strukturierte Auseinandersetzung mit der Situation gelang es mir jedoch, wieder Ruhe zu finden und in die Verhandlung zu gehen.
Heute läuft mein Job als Midijob mit reduzierter Stundenzahl weiter. Er gibt mir finanzielle Sicherheit, sorgt für Sozial- und Krankenversicherung und eröffnet mir gleichzeitig neue Spielräume. Ich kann wieder größere Lektoratsaufträge annehmen und habe Raum für Wachstum – einen Schritt, den ich zunächst nicht als solchen erkennen konnte.
Fazit: In Ruhe wirksam
„In Ruhe wirksam“ ist für mich kein Ziel, das ich erreichen muss, sondern eine Haltung, die ich jeden Tag neu einübe. Sie erinnert mich daran, dass Wirksamkeit nicht aus Tempo entsteht, sondern aus Klarheit, Fokus und innerer Ruhe. Nicht immer gelingt mir das gleich gut. Aber genau darin liegt für mich die Bewegung: wahrnehmen, innehalten, neu ausrichten. So fülle ich dieses Motto 2026 Schritt für Schritt mit Leben.
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Wer schreibt hier?
Ich bin Kerstin Salvador, zertifizierte freie Lektorin ADM (Akademie der Medien) und mit meinem Lektorat Salvador seit 2011 selbstständig.
Als Lektorin kümmere ich mich darum, Fach- und Sachbüchern den letzten Schliff zu verleihen, damit sie gut lesbar sind und sich darin keine Schreibfehler als Aufmerksamkeitsvampire verstecken.
Ich kenne übrigens auch die andere Seite des Schreibtisches: Als Autorin schreibe ich Lehrwerke für Deutsch als Fremdsprache und übersetze auch aus dem Italienischen. Leseratte war ich schon als Kind und habe deshalb gleich nach der Schule Buchhändlerin gelernt.
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