
Dieser Blogartikel ist mein Beitrag zur Blogparade „Zuversicht in schwierigen Zeiten. Was mir hilft, wenn sie ins Wanken gerät“ von Pia Hübinger. Als ich ihren Aufruf zur Blogparade gelesen habe, hatte ich sofort das Gefühl: Darüber möchte ich schreiben. Nicht, weil ich bereits alle Antworten gefunden habe, sondern weil ich mich selbst gerade in einer Phase der beruflichen und persönlichen Neuorientierung befinde. Die Frage, was mir Zuversicht gibt, beschäftigt mich deshalb nicht nur theoretisch, sondern ganz konkret im Alltag.
Hätte mich vor einem Jahr jemand gefragt, was Zuversicht für mich bedeutet, hätte ich wahrscheinlich von Vertrauen gesprochen. Von dem Gefühl, dass sich am Ende alles fügen wird, wenn man seinen Weg konsequent weitergeht. Vielleicht hätte ich gesagt, dass Zuversicht etwas mit Optimismus zu tun hat.
Heute würde ich anders antworten.
Nicht, weil ich den Optimismus verloren hätte. Sondern weil ich gerade erlebe, wie schnell sich vermeintliche Sicherheiten verändern können. Meine berufliche Situation befindet sich in einem Umbruch. Meine angestellte Tätigkeit endet, gleichzeitig richte ich meine Selbstständigkeit neu aus. Seit Wochen begleiten mich Fragen, die ich mir lange nicht mehr gestellt habe: Wie möchte ich in Zukunft arbeiten? Welche Kompetenzen möchte ich weiterentwickeln? Welche Mischung aus Selbstständigkeit und Anstellung passt wirklich zu meinem Leben? Und wie kann ich mich so aufstellen, dass ich auch in zehn Jahren noch mit Freude und wirtschaftlicher Stabilität arbeiten kann?
Ich kenne die Antworten auf diese Fragen noch nicht. Das fällt mir manchmal schwer, denn ich gehöre zu den Menschen, die gerne planen und den Überblick behalten. Gleichzeitig spüre ich, dass genau in dieser Unsicherheit etwas Wertvolles liegt. Vielleicht hätte ich mir diese Fragen nie gestellt, wenn alles einfach so weitergelaufen wäre wie bisher.
Wenn der vertraute Weg plötzlich endet
Als ich erfuhr, dass meine angestellte Tätigkeit auslaufen würde, war ich zunächst enttäuscht. Ich mochte diese Arbeit. Ich habe es immer geliebt, Texte mit großer Sorgfalt zu prüfen, sprachliche Feinheiten zu entdecken und dazu beizutragen, dass ein Text am Ende klar, verständlich und stimmig ist.
Gleichzeitig war mir bewusst, dass diese Veränderung nichts mit meiner Arbeit zu tun hatte. Unsere Branche verändert sich rasant. Künstliche Intelligenz übernimmt immer mehr Aufgaben, wirtschaftlicher Druck führt zu neuen Entscheidungen und manche Tätigkeiten werden künftig anders aussehen als heute.
Trotzdem fühlte es sich zunächst an, als würde ein vertrauter Weg enden.
Nach den ersten Tagen der Unsicherheit begann ich, nach vorne zu schauen. Ich schrieb Bewerbungen, sprach mit Menschen aus meinem Netzwerk und überlegte, welche Möglichkeiten sich eröffnen könnten. Dabei wurde mir immer klarer, dass ich meine Selbstständigkeit keineswegs aufgeben möchte. Sie begleitet mich seit vielen Jahren, hat mich durch unterschiedliche Lebensphasen getragen und ist ein wichtiger Teil meiner beruflichen Identität.
Aber sie darf sich verändern.
Ich möchte weiterhin als Lektorin und Projektmanagerin arbeiten. Gleichzeitig sehe ich, dass sich die Anforderungen verändern und neue Kompetenzen gefragt sind. Anstatt dieser Entwicklung mit Sorge zu begegnen, möchte ich sie aktiv gestalten. Nicht, indem ich alles Bisherige über Bord werfe, sondern indem ich mein Angebot sinnvoll erweitere.
Eine Tür, mit der ich nicht gerechnet hatte
Mit dieser Haltung ging ich auch zu meinem Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit. Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass wir vor allem über Bewerbungen sprechen würden. Stattdessen nahm das Gespräch eine ganz andere Richtung.
Meine Beraterin hörte aufmerksam zu, stellte viele Fragen und erkannte schnell, dass ich nicht am Anfang meines Berufslebens stehe, sondern auf viele Jahre Erfahrung zurückblicke. Sie schlug mir ein achtwöchiges Coaching für Akademikerinnen und Akademiker vor. Ziel ist es, meine Selbstständigkeit strategisch weiterzuentwickeln und gemeinsam zu überlegen, wie ich mich für die kommenden Jahre aufstellen möchte. Im Anschluss kann ich gezielt eine Weiterbildung auswählen und dafür einen Bildungsgutschein nutzen.
Als ich das Büro verließ, fühlte ich mich deutlich leichter als noch zwei Stunden zuvor.
Nicht, weil plötzlich alle Unsicherheiten verschwunden gewesen wären. Sondern weil sich eine neue Perspektive eröffnet hatte. Aus dem Gefühl, reagieren zu müssen, war der Gedanke entstanden, gestalten zu dürfen.
Ich freue mich sehr auf dieses Coaching. Es bietet mir die Möglichkeit, innezuhalten und meine berufliche Zukunft nicht zwischen Tür und Angel zu planen, sondern bewusst und mit professioneller Begleitung. Anschließend möchte ich eine Weiterbildung wählen, die mein bisheriges Profil sinnvoll ergänzt und mein Angebot erweitert. Noch weiß ich nicht, welche das sein wird. Genau dafür ist das Coaching da. Ich möchte keine Weiterbildung absolvieren, nur um einen weiteren Nachweis im Lebenslauf zu haben. Ich möchte etwas lernen, das wirklich zu mir passt und mir neue Möglichkeiten eröffnet.
Was mir in dieser Zeit Zuversicht gibt
In den vergangenen Wochen habe ich oft darüber nachgedacht, was mir eigentlich Halt gibt.
Es ist nicht die Gewissheit, dass alles gut ausgehen wird. Diese Gewissheit gibt es nicht.
Es sind vielmehr die Menschen, die mich begleiten. Meine Frau, Freundinnen, mit denen ich offen sprechen kann. Kolleginnen aus meinem Netzwerk, die ihre Erfahrungen teilen, meine Mentee, die ich auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleite. Autorinnen und Autoren, die mir ihr Vertrauen schenken. Begegnungen, nach denen ich wieder klarer sehe als zuvor.
Zuversicht entsteht für mich auch immer dann, wenn ich arbeite. Wenn ich ein Manuskript lektoriere, einen komplizierten Sachverhalt verständlich formuliere oder ein Projekt begleite und am Ende ein fertiges Buch in den Händen halte. Dann weiß ich wieder, warum ich diesen Beruf vor so vielen Jahren gewählt habe.
Und schließlich gibt mir Zuversicht die Erfahrung, dass Veränderungen nicht nur Verluste bedeuten. Rückblickend waren es oft gerade die Umbrüche, aus denen etwas Neues entstanden ist. Das konnte ich in dem Moment nie erkennen. Erst später ergab vieles einen Sinn.
Vielleicht wird es diesmal genauso sein.
Zuversicht ist für mich keine Gewissheit
Wenn ich heute darüber nachdenke, was Zuversicht für mich bedeutet, komme ich zu einer anderen Antwort als noch vor einem Jahr. Zuversicht heißt für mich nicht mehr, sicher zu sein, dass alles gut wird. Sie bedeutet vielmehr, darauf zu vertrauen, dass ich einen Weg finden werde. Dass ich Entscheidungen treffen kann, auch wenn ich noch nicht jede Konsequenz kenne. Dass ich Neues lernen, mich weiterentwickeln und auf Veränderungen reagieren kann, ohne dabei das zu verlieren, was mich ausmacht. Vielleicht ist Zuversicht gar kein fester Boden, auf dem wir stehen. Vielleicht ist sie eher die Bereitschaft, den nächsten Schritt zu gehen, obwohl der weitere Weg noch im Nebel liegt. Genau das übe ich gerade.
Und vielleicht ist das mehr Zuversicht, als ich selbst lange gedacht habe.

Wer schreibt hier?
Ich bin Kerstin Salvador – freie Lektorin, Autorin und leidenschaftliche Begleiterin von Menschen und ihren Texten.
Seit 2011 unterstütze ich mit meinem Lektorat Fach- und Sachbücher dabei, klar, verständlich und rund zu werden – ohne dass sich Schreibfehler als kleine Aufmerksamkeitsvampire einschleichen.
Was mich dabei besonders prägt: Ich kenne beide Seiten.
Ich arbeite nicht nur als Lektorin, sondern schreibe selbst Lehrwerke für Deutsch als Fremdsprache und übersetze aus dem Italienischen. Und vielleicht noch wichtiger: Ich weiß, wie viel Herzblut, Zweifel und Entwicklung in einem Text stecken können.Genau deshalb ist Lektorat für mich mehr als Korrekturen.
Es ist auch ein Raum, in dem Ideen wachsen dürfen – und Autor:innen in ihre eigene Stärke finden.Du suchst eine Lektorin, die nicht nur deinen Text, sondern auch dich im Schreibprozess unterstützt?
Hier erfährst du mehr über meine Arbeitsweise und mein Angebot:
8 Responses
Liebe Kerstin, dein Text holt mich so ab. Ich stehe noch am Anfang meines Berufsweges, und unsere Branche so bröckeln und sich verändern zu sehen, macht mir Sorge: Wo werde ich in diesem Umfeld unterkommen? Wo werden meine Fähigkeiten noch gebraucht werden? Deine Haltung macht mir Mut: Der Veränderung aktiv zu begegnen. Sie nicht zu bejammern (was nutzt das?), sondern zu fragen: Was kann ich jetzt tun? Welche Möglichkeiten tun sich auf? Danke für diese Perspektive!
Liebe Miriam, dein Kommentar hat mich gerade sehr berührt. Vielen Dank! Genau das war meine Hoffnung beim Schreiben: keine Patentrezepte zu liefern, sondern ehrlich zu erzählen, wie ich selbst mit dieser Veränderung umgehe. Dass dich das ermutigt, freut mich sehr. Ich glaube, wir stehen alle vor großen Veränderungen. Ob wir am Anfang oder mitten im Berufsleben stehen, spielt dabei gar nicht die entscheidende Rolle. Umso wichtiger finde ich die Frage: Was kann ich jetzt gestalten? Ich wünsche dir, dass sich für dich genau die Möglichkeiten eröffnen, die zu dir passen.
Liebe Kerstin,
vielen Dank für diesen offenen und wunderbar differenzierten Beitrag zu meiner Blogparade.
Besonders angesprochen hat mich deine Erkenntnis, dass Zuversicht für dich heute keine Gewissheit mehr ist. Du weißt noch nicht, wie dein zukünftiger beruflicher Weg genau aussehen wird. Und dennoch vertraust du darauf, Entscheidungen treffen, Neues lernen und auf Veränderungen reagieren zu können, ohne dabei das zu verlieren, was dich ausmacht.
Sehr eindrücklich finde ich auch die Veränderung, die durch das Beratungsgespräch entstanden ist: Aus dem Gefühl, auf äußere Entwicklungen nur reagieren zu müssen, wurde die Möglichkeit, deine berufliche Zukunft aktiv gestalten zu dürfen. Das zeigt für mich sehr schön, wie Zuversicht manchmal durch eine neue Perspektive, eine hilfreiche Begegnung oder eine unerwartete Möglichkeit zurückkehrt.
Dein Bild vom Weg im Nebel mag ich besonders gern. Es braucht nicht immer den vollständigen Überblick. Manchmal reicht es, den nächsten Schritt zu erkennen und darauf zu vertrauen, dass danach ein weiterer sichtbar wird.
Danke, dass du uns an einer Phase teilhaben lässt, in der noch nicht alle Antworten gefunden sind. Gerade dadurch wird dein Beitrag so glaubwürdig und ermutigend.
Von Herzen
Pia
Liebe Pia,
herzlichen Dank für deine wertschätzenden Worte. Ich freue mich sehr, dass du meinen Beitrag so aufmerksam gelesen hast und dass du genau die Gedanken herausgegriffen hast, die mir beim Schreiben besonders wichtig waren. Tatsächlich war das für mich die größte Erkenntnis: Zuversicht bedeutet für mich heute nicht mehr, alle Antworten zu kennen oder einen fertigen Plan zu haben. Sie bedeutet vielmehr, darauf zu vertrauen, dass ich den nächsten Schritt gehen kann und sich der weitere Weg nach und nach zeigt.
Das Gespräch bei der Agentur für Arbeit war tatsächlich ein Wendepunkt. Ich bin mit ganz anderen Erwartungen hineingegangen und mit einer neuen Perspektive wieder herausgekommen. Manchmal braucht es einen Menschen, der Möglichkeiten sieht, die man selbst gerade noch nicht erkennen kann. Vielen Dank für deine wunderbare Blogparade. Sie hat mich genau zur richtigen Zeit erreicht und mir die Gelegenheit gegeben, diese Gedanken einmal aufzuschreiben und zu sortieren. Und ich freue mich genauso wie du darauf, noch viele weitere Beiträge zu entdecken.
Liebe Grüße
Kerstin
Liebe Kerstin, ich fühle gerade sehr mit dir. Es berührt mich sehr, dass auch du und deine Branche so „leicht“, doch wahrscheinlich eher schlecht, durch KI ersetzt wird, oder teilweise ersetzt wird.
Ich sende dir viele gute Vibes und gute Nerven in dieser Zeit, die von Wandel geprägt ist.
Alles liebe
Petra von Petra machts
Liebe Petra, ganz herzlichen Dank für deine lieben Worte und die guten Vibes. Sie kommen gerade genau richtig. Ja, KI verändert meine Branche spürbar und manches wird sich dauerhaft verändern. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Gleichzeitig versuche ich, den Blick nicht nur auf das zu richten, was wegfällt, sondern auch auf das, was neu entstehen kann. Genau deshalb freue ich mich so auf das Coaching und darauf, meine Selbstständigkeit bewusst weiterzuentwickeln. Ich bin gespannt, wohin mich dieser Weg führen wird. Danke, dass du mich dabei ein Stück begleitest.
Liebe Grüße
Kerstin
Liebe Kerstin,
danke für deinen Newsletter, der mich auf deinen Blogartikel aufmerksam gemacht hat.
Zuversicht und wie wir sie unterschiedlich verstehen, je nachdem, in welcher Phase wir gerade stecken, das hast du sehr gut aus deiner Sicht in Worte gepackt!
Ich drücke dir die Daumen, dass du im Coaching und späterer Weiterbildung deine Arbeitsweise und Angebot weiterentwickeln kannst, ist ja wirklich bemerkenswert, dass unsere Agentur für Arbeit so etwas anbietet! Hätte ich tatsächlich nicht gedacht.
Da hat sich der „Weg zum Amt“ für dich so richtig gelohnt:-)
Hab viel Erfolg!
Herzlichst
Gabi
Liebe Gabi, ganz herzlichen Dank für deine lieben Worte und deine guten Wünsche. Es freut mich sehr, dass dich mein Newsletter zum Blogartikel geführt hat und dass du dich in meinen Gedanken wiederfinden konntest.
Ja, ich war selbst überrascht, welche Möglichkeiten die Agentur für Arbeit in meiner Situation eröffnet hat. Mit diesem Coaching hätte ich überhaupt nicht gerechnet. Umso dankbarer bin ich, dass ich jetzt die Chance habe, meine Selbstständigkeit ganz bewusst weiterzuentwickeln und anschließend mein Angebot durch eine passende Weiterbildung zu erweitern.
Und ja, der Weg zur Agentur für Arbeit hat sich in meinem Fall tatsächlich gelohnt. Ich bin gespannt, was daraus entstehen wird, und freue mich darauf, die nächsten Schritte zu gehen. Vielen Dank, dass du mich dabei so herzlich begleitest!
Liebe Grüße
Kerstin