Neulich wurde ich gefragt, ob denn der Buchstabe ß in der „neuen“ Rechtschreibung (die gar nicht mehr neu ist) überhaupt noch vorkommt. Das nehme ich gleich mal zum Anlass (oder Anlaß??), über dieses Thema zu bloggen. Um es gleich vorwegzunehmen: Ja, das ß – oder auch scharfes s genannt – gibt es noch. Nur nicht in der Schweiz. Die Regeln wurden nur angepasst. In diesem Artikel erkläre ich dir, wo welcher s-Laut hingehört, und wie du dir das gut merken kannst.

Der Buchstabe ß wurde nicht abgeschafft

Nein, das ß wurde nicht abgeschafft, nur eine Regel hat sich verändert: Seit der Rechtschreibreform folgt auf einen kurzen Vokal kein ß mehr, sondern ss: nicht mehr Kuß und küßen, sondern Kuss und küssen. Aber das gilt schon seit 1996 …

Die Regeln zu den s-Lauten s, ss und ß

S-Laute können in Deutschland und in Österreich als s, ss oder ß geschrieben werden. Aber wann wird welches s verwendet?

s             Das stimmhafte s ist die Normalform: Hase, lesen, Wiese

ss           Nach einem kurzen Vokal verdoppelt sich das s: Fluss, Bewusstsein, müssen

ß            Wird nach einem langen Vokal oder einem Doppellaut das s „scharf“ (stimmlos) gesprochen, dann folgt ein ß: Fußball, Grüße, heißen

Spass oder Spaß? Wenn die Aussprache nicht eindeutig ist

Schwierig wird es, wenn es sprachlich nicht immer so eindeutig ist. Zum Beispiel, wenn ein Wort in manchen Regionen anders ausgesprochen wird. Das Wort Spaß wird in den meisten Regionen mit einem langen a gesprochen. In einigen westlichen Regionen von Deutschland – also in Teilen von Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg, Unterfranken – spricht man es mit kurzem a. Ich selber komme aus NRW und kenne es als „Spass“ haben mit kurzem a und scharfem s.

ß auch als Großbuchstabe

Schon gewusst? Das ẞ gibt es jetzt auch als Großbuchstabe

Seit dem 29. Juni 2017 gibt es das Eszett (ẞ) in der amtlichen deutschen Rechtschreibung auch als Großbuchstaben. Den hat es vorher nur als kleinen Buchstaben ß gegeben. Warum wurde er eingeführt? Ganz einfach: Schreibt man STRASSE in Großbuchstaben (oder Versalien), ist SS richtig, weil es ß als Großbuchstaben ja nicht gab. Es sorgte (und sorgt) immer wieder für Verwirrung, dass das Wort mal STRASSE und mal Straße geschrieben wird. Man kann jetzt auch STRAẞE schreiben, muss man aber nicht. STRASSE ist weiterhin richtig. Neulich bekam ich einen Brief aus Italien, auf dem „STRABE“ stand, um den Buchstaben zu ersetzen. Sieht ähnlich aus, ist aber ein falscher Buchstabe. Die Verwirrung bleibt also weiterhin bestehen, und noch immer schreiben viele Strasse, aber auch das ist leider falsch. Bei MAẞE und MASSE verändert der Buchstabe sogar den Wortsinn.

Besonderheit Schweiz

Im Schweizerdeutschen gibt es den Buchstaben ß nicht. Weder klein noch groß. Stattdessen wird ss verwendet. Also Spass, Strasse, aussen. Die Schüler:innen in der Schweiz können sich also freuen, dass sie sich nur die Regeln für s und ss merken müssen.

2 Antworten

  1. Ich bin in der Schweiz ohne ß aufgewachsen und es hat mir nicht gefehlt. Seit 1996 lebe ich in Österreich und jetzt schreibe ich nur noch an meine schweizer Freund:innen Grüsse … unterdessen kommt mir das falsch vor und ich passe mich an die örtlichen Gegebenheiten an.

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