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Semikolon – das unterschätzte Satzzeichen

Gehörst du auch zu denen, die das Semikolon, das sich auf der Tastatur eine Taste mit dem Komma teilt, eigentlich nur zur Erzeugung des Zwinker-Emojis 😉 verwenden? Oder setzt du es bewusst in deinen Texten ein? Es ist ein Satzzeichen, das inzwischen immer mehr in Vergessenheit gerät und ein wenig stiefmütterlich behandelt wird. Wer weiß schon, wofür es eigentlich gut ist? Ist es nicht total veraltet? Braucht heute doch kein Mensch mehr, oder? Dieser Frage nachzugehen, ist mir einen Blogartikel wert. Wofür das Semikolon steht und wie du es richtig einsetzt, erfährst du hier.

Das Wort Semikolon

Der Begriff Semikolon, auch Strichpunkt genannt, setzt sich aus Semi = halb und kolon = Doppelpunkt zusammen. Es ist also ein halber Doppelpunkt. Im Plural heißt es Semikolons oder auch Semikola.

Es steht zwischen einem Punkt und einem Komma. Irgendwo dazwischen. Nichts Halbes, nichts Ganzes. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Auch von einem Gedankenstrich setzt es sich nicht deutlich ab.

Verwendung des Semikolons

Schauen wir uns einmal an, in welchen Fällen das Semikolon für die Strukturierung von Texten eingesetzt werden kann und auf welche Weise es, im Unterschied zu den anderen Satzzeichen, Sätze und Gedanken miteinander verbindet:

Abtrennung von zwei Hauptsätzen

Das Semikolon trennt zwei Hauptsätze voneinander ab und kann alternativ zu einem Punkt, einem Komma oder auch zu einem Gedankenstrich oder Doppelpunkt verwendet werden. Vergleiche die rot markierten Satzzeichen in den folgenden Beispielsätzen:

Das Semikolon im Vergleich zu anderen Satzzeichen

Beachte: Nie trennt es einen Hauptsatz von einem Nebensatz ab, sondern immer nur gleichrangige Teilsätze.

Aber was ist jetzt genau der Unterschied?

  • Ein Punkt grenzt zwei Hauptsätze klar voneinander ab.
  • Ein Komma verbindet zwei Hauptsätze sanft miteinander.
  • Ein Gedankenstrich bremst den Lesefluss kurz ab und betont den nachgefügten Satz.
  • Ein Doppelpunkt kündigt den nachfolgenden Satz an.
  • Und ein Semikolon? Nun, es steht irgendwo dazwischen. Kann sich nicht so recht entscheiden, ob der Satz nun beendet ist, oder doch noch weitergeht.

Es kann auch verwendet werden, um zwei unabhängige Sätze zu verbinden, die eng miteinander verbunden sind, aber dennoch eigenständige Gedanken darstellen. Zum Beispiel: „Sie liebte das Meer; er bevorzugte die Berge.“ Hier trennt das Semikolon zwei Gedanken, die eine gemeinsame thematische Verbindung haben.

In komplexen Satzstrukturen kann das Semikolon verwendet werden, um Teilsätze zu trennen, die bereits durch Kommas unterteilt sind. Dies hilft, die Lesbarkeit zu verbessern und Verwirrung zu vermeiden. Zum Beispiel: „Obwohl das Wetter schlecht war, beschlossen sie zu wandern; sie hatten sich schließlich seit Wochen darauf gefreut.“

Bei Aufzählungen

Das Semikolon kann in Aufzählungen verwendet werden, wenn die einzelnen Elemente längere Phrasen oder Sätze sind, die durch Kommas getrennt werden. Zum Beispiel: „In unserer Reisegruppe waren Personen aus verschiedenen Ländern vertreten: Maria, Deutschland; Juan, Spanien; Li, China.“ Hier hilft das Semikolon, die verschiedenen Elemente der Aufzählung klar voneinander abzugrenzen.

Das Semikolon kann Sinneinheiten unterteilen

Bei Bulletpoints

Das Semikolon hilft, Teilsätze in Bulletpoints zu trennen, wenn diese länger oder komplexer sind. Dies trägt zur Klarheit und Strukturierung der Aufzählung bei. Zum Beispiel:

Bei Aufzählungen in Bulletpoints

Im Literaturverzeichnis

In Literaturverzeichnissen wird das Semikolon verwendet, um mehrere Autoren voneinander abzutrennen:

Hansen, J.; Müller, F. und Renschke, J. (2004): Produktionslogistik. Herausgegeben von B. Schmidt, B. und Renz, H. 6. Auflage. München: Springer.

In der Programmiersprache

In der Programmiersprache kennzeichnet das Semikolon das Ende eines Befehls:

return 0;

Merke: Das Semikolon ist kein Satzendzeichen; nach ihm wird in der Regel klein weitergeschrieben, es sei denn, es folgt ein Wort, das ohnehin großgeschrieben wird. Vor einem Semikolon steht kein Leerzeichen, dahinter schon.

Feinheit im Sprachgebrauch

Das Schöne am Semikolon ist die Möglichkeit, damit feine Nuancen auszudrücken zu können. Es gibt uns einen Spielraum für persönliche Interpretationen und Feinheiten im Sprachgebrauch. Das ist doch an sich schon ein gutes Argument, eine Lanze für dieses fast ausgestorbene Satzzeichen zu brechen. Den Satz nicht abzuschließen; sondern den Gedanken weiterzuführen. Wir brauchen es nicht, das Semikolon; wir können es getrost weglassen. Aber wir können es in unsere Texte einbauen, wenn wir wollen.

Exkurs: The Semicolon Project

Meine Blogkollegin Aimée Riecke macht mich gerade, während dieser Artikel im Co-Blogging entsteht, auf eine weitere Bedeutung des Semikolons aufmerksam: „The Semicolon Project“ ist eine aus Amerika stammende Kampagne zur Suizidprävention. Das Semikolon bedeutet hier im übertragenen Sinne, dass eine Person hätte einen Punkt setzen können; sich dann aber dagegen entschieden hat. Die Geschichte geht weiter; your story isn’t over yet, lautet ihr Claim. Unterstützer der Kampagne lassen sich weltweit ein Semikolon tätowieren. Damit wollen sie Menschen mit Depression und Suizidgedanken Mut machen, sich Hilfe zu suchen. Vielen Dank, liebe Aimée, diese Kampagne kannte ich bisher noch nicht.

Ein tätowiertes Tattoo auf einem Handgelenk als Zeichen für "The Semicolon Project"
Ein tätowiertes Semikolon als Zeichen für Suizidprävention

Fazit

Das Semikolon ist ein eher selten verwendetes Satzzeichen. Es dient dazu, Hauptsätze miteinander zu verbinden, ähnlich wie ein Komma oder ein Gedankenstrich. Der Satz könnte an dieser Stelle zu Ende sein, aber es wird noch etwas angefügt. Das Semikolon ermöglicht es, feine Nuancen im Ausdruck zu setzen und Texte anspruchsvoller zu gestalten. Es lohnt sich, die Feinheiten dieses unterschätzten Satzzeichens zu nutzen, um die Qualität des eigenen Schreibens zu steigern. Eine weitere Funktion ist die präzise Strukturierung von Aufzählungen, zum Beispiel bei Bulletpoints und Literaturverzeichnissen oder die Verwendung in der Programmiersprache. Außerdem ist es ein subtiles Zeichen für Suizidprävention und kann Menschen mit Depression und Suizidgedanken Mut machen.


Wer schreibt hier?

Ich bin Kerstin Salvador, zertifizierte freie Lektorin ADM (Akademie der Medien) und mit meinem Lektorat Salvador seit 2011 selbstständig.

Als Lektorin kümmere ich mich darum, Fach- und Sachbüchern den letzten Schliff zu verleihen, damit sie gut lesbar sind und sich darin keine Schreibfehler als Aufmerksamkeitsvampire verstecken.

Ich kenne übrigens auch die andere Seite des Schreibtisches: Als Autorin schreibe ich Lehrwerke für Deutsch als Fremdsprache und übersetze auch aus dem Italienischen. Leseratte war ich schon als Kind und habe deshalb gleich nach der Schule Buchhändlerin gelernt.

So kannst du mit mir in Kontakt treten und mehr über mich und meine Angebote erfahren:

6 Antworten

  1. Liebe Kerstin!
    Danke für diesen aufklärenden Artikel. Es lohnt sich wirklich, im Text mehr Semikola einzusetzen, wie ich aus dem Artikel gelernt habe.
    Ich werde in Zukunft auch eine Lanze für das Semikolon brechen!
    Liebe Grüße
    Anke

  2. Das freut mich sehr, liebe Anke, dass ich dich mit meinem Blogartikel zur Verwendung dieses oft missachteten Satzzeichens animieren konnte. Ich finde, es macht Spaß, damit zu spielen; und noch einen Gedanken anzufügen.
    Liebe Grüße
    Kerstin

    1. Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren, liebe Petra! Und danke für deine motivierende Co-Bloggingrunde, in der dieser Artikel entstanden ist. Es ist immer so schön produktiv bei dir! 😉
      Liebe Grüße in die Schweiz
      Kerstin

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