Ich werde oft gefragt, was denn der Unterschied zwischen Lektorat und Korrektorat sei. Wenn ich mich als Lektorin vorstelle, glauben viele, ich korrigiere nur fehlende Kommas. Deshalb will ich in diesem Artikel die Leistungen, die jeweils zum Lektorat und zum Korrektorat gehören, etwas genauer beleuchten. Welche Spezialisierungen es gibt, wie man eine passende Lektorin oder einen passenden Lektor findet und was das kostet, erfährst du hier.

Was ist Lektorat?

Lektorat bedeutet, vereinfacht gesagt, einen Text im Hinblick auf Inhalt und Stil zu verbessern.

Manchmal findet man diesen Begriff synonym für folgende Tätigkeiten und Bereiche verwendet:

  1. Die Tätigkeit des Lektorierens. Also die inhaltliche und sprachliche Optimierung eines Textes.
  2. Die Abteilung „Lektorat“ in einem Verlag oder einer Werbeagentur.
  3. An der Uni hält ein Lektor oder eine Lektorin Vorlesungen. Ursprünglich stammt Lektor nämlich vom lateinischen „lector“ = Vorleser.

Welche Leistungen umfasst ein Lektorat?

Zu den Leistungen im Lektorat gehören:

Spezialisierungen auf Fachbereiche

So unterschiedlich wie die Genres und Fachbereiche von Texten sind, desto vielseitiger sind auch die Spezialisierungen von Lektor*innen auf bestimmte Fachbereiche.

Textbaustein mit Erklärung zu Lektorat im Bereich Belletristik
Textbaustein mit Erklärung zu Lektorat im Bereich Sachbuch und Ratgeber
Textbaustein mit Erklärung zu Lektorat im Bereich Werbelektorat
Textbaustein mit Erklärung zu Lektorat im Bereich Fachbuch
Textbaustein mit Erklärung zu Lektorat im Bereich Wissenschaftslektorat

Die meisten Lektor*innen spezialisieren sich auf bestimmte Genres und Fachthemen, in denen sie sich inhaltlich gut auskennen und viel Expertise haben. Nicht jede*r kann alle Fachbereiche gleichzeitig bedienen. Lektor*innen mit einem Bauchladen an Angeboten bleiben zwangsläufig an der Oberfläche und können nicht gleichzeitig Tiefgang entwickeln. Daher Vorsicht, wer die eierlegende Wollmilchsau zum Super-Sparpreis bucht und dann nicht die gewünschte Qualität bekommt.

Wie finde ich eine passende Lektorin oder einen Lektor?

Um eine Lektorin oder einen Lektor zu finden, die/der zu deinem Themengebiet passt, kannst du im Lektoratsverzeichnis des VFLL suchen. Das ist der Verband der freien Lektorinnen und Lektoren. Hier kannst du genau filtern, welche Leistung du anfragen willst: Korrigieren, Lektorieren, Producing, Registererstellung, Schlussredaktion, Schreiben, Übersetzen oder Übersetzungslektorat. Außerdem kannst du das Sachgebiet wählen: Belletristik, Bildungsmedien, digitale Formate, Unternehmenskommunikation, Sach-/Fachtext, Selfpublishing oder Wissenschaft. Darüber erhältst du dann die Einträge der Lektorinnen und Lektoren, die zu deinem Gesuch passen und kannst sie gezielt anschreiben.

Lektorinnen und Lektoren im Verlag

Die Aufgabenbereiche von Lektor*innen im Verlag haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Früher haben sich Verlagslektor*innen vielmehr intensiv mit dem Lektorieren von Manuskripten und der Betreuung von Autor*innen beschäftigt. Heute haben sich die Aufgaben hin zum Produktmanagement erweitert. Dazu gehört die Begleitung über den gesamten Lebenszyklus eines Buches – von der Produktidee, Marktanalyse, Autorensuche, Kalkulation, Planung, Vermarktungsidee bis das Buch schließlich vom Markt genommen wird. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Verkaufszahlen und ob sich ein Titel wirtschaftlich rechnet.

Tätigkeitsfelder von freien Lektorinnen und Lektoren

Die intensive Aufgabe des Lektorierens wird oftmals an freie Lektor*innen ausgelagert. Viele Verlage arbeiten mit festen freien Lektorinnen und Lektoren zusammen. Oft bieten freie Lektor*innen neben dem Lektorat auch gleich das Korrektorat mit an. Oder eine Form von „Lektorat Plus“. Die Übergänge sind oft fließend und individuell verhandelbar. Außer für Verlage arbeiten freie Lektor*innen auch für Werbeagenturen, Unternehmen, Stiftungen und Vereine, Museen, Theater, Presse, Studierende oder Selfpublisher und viele andere Bereiche, wo es auf korrekte Texte ankommt.

Was ist Korrektorat?

Beim Korrektorat oder Korrekturlesen geht es grob gesagt um die Verbesserung eines Textes hinsichtlich Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und Worttrennungen. Der Inhalt des Textes spielt hierbei keine Rolle. Das Auge scannt den Satz Silbe für Silbe und konzentriert sich darauf, dass die Wörter richtig geschrieben sind, dass sich keine verdrehten, fehlenden oder doppelten Buchstaben eingeschlichen haben.

Was umfasst ein Korrektorat?

Beim Korrektorat wird ein Text auf Herz und Nieren überprüft, bis er sprachlich und formal den geltenden Vorgaben entspricht. Diese sind im Duden oder auch in der Rechtschreibnorm DIN 5008 festgeschrieben.

Dabei geht es um die Korrektur von:

Ist Korrektorat dasselbe wie Korrekturlesen?

Korrekturlesen oder auf Korrektur lesen = das gründliche Lesen eines Textes mit dem Fokus auf Fehler finden und diese im Text mit den dafür vorgesehenen Korrekturzeichen anzuzeichnen.

korrigieren = die Korrektur von Fehlern in einer Datei ausführen

Korrektor*in = Berufsbezeichnung für jemanden, der*die hauptberuflich Korrektur liest

Korrektorat = die Tätigkeit, die ein*e Korrektor*in ausübt

Wo wir schon beim Korrigieren sind: Wie wird das Korrekturlesen eigentlich richtig geschrieben? „Korrekturlesen“, „Korrektur lesen“ oder „korrekturlesen“? Antwort: „die Korrektur“ ist ein Substantiv, also groß und „lesen“ ein Verb, also klein. In Kombination wäre das: Korrektur lesen, so wie Rad fahren. Mit dem Artikel davor ist das Korrekturlesen aber ein substantiviertes Verb und wird groß und in einem Wort geschrieben. Ich habe den Text Korrektur gelesen. Beim Korrekturlesen sind mir viele Fehler aufgefallen.

Korrigieren mit Korrekturzeichen

Formale Standards und Typografie

Auch formale und typografische Standards werden beim Korrekturlesen mitberücksichtigt, wie Kolumnentitel, Abstände, Überschriften, Absätze, Einzüge, Bildunterschriften und Tabellenüberschriften, Abgleich mit dem Inhaltsverzeichnis, Länge von Strichen, Leerzeichen, Silbentrennung usw.

Lies dazu auch meinen Blogartikel „Glossar Korrekturlesen und Rechtschreibung – Die wichtigsten Begriffe einfach erklärt“. Hier erkläre ich eine Menge Begriffe, die auch zum Korrekturlesen gehören.

Was gehört zur Schlussredaktion?

Bei der Schlussredaktion, die auch Endkorrektur, Umbruchkorrektur oder Fahnenkorrektur genannt wird, geht es um die allerletzten Feinheiten, bevor das Werk in den Druck geht.

Alles ist nun fertig gesetzt, so wie es im fertigen Buch, in der Broschüre oder Zeitschrift erscheint. Vorwort, Inhaltsverzeichnis, Bilder mit Bildunterschriften, Tabellen, Literaturverzeichnis, Stichwortverzeichnis, Impressum und andere Elemente stehen an ihrem Platz und werden noch einmal gründlich geprüft. Jetzt ist besonders auf die Silbentrennung zu achten, damit die Wörter an den richtigen Stellen am Zeilenende umbrechen. Stimmen die Kolumnentitel, stimmt das Inhaltsverzeichnis mit den Überschriften überein? Wurden die Korrekturen auch alle richtig ausgeführt? Stimmen Abstände, Texte in Kästen, stimmt die Titelei, ist der Bildnachweis vollständig und korrekt usw.

Was ist der Unterschied zwischen Lektorat und Korrektorat?

Beim Korrektorat oder Korrekturlesen geht es vor allem um die Verbesserung von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik, während es beim Lektorat auf die inhaltliche Überprüfung und stilistische Überarbeitung ankommt. Das sind zwei komplett unterschiedliche Arbeitsschritte mit jeweils einem anderen Fokus. Wann ist aber welche Leistung erforderlich?

Ein Roman benötigt auf jeden Fall ein Lektorat, um den roten Faden zu prüfen, den Inhalt auf Plausibilität zu untersuchen und an den Sätzen zu feilen, bis sie glänzen. Das Korrektorat kommt oben drauf.

Bei einer Bachelorarbeit darf inhaltlich nichts verändert werden. Beim Wissenschaftslektorat geht es um korrekte Texte, Einhaltung wissenschaftlicher Vorgaben und einer einheitlichen Verwendung von Begriffen. Sprachliche Optimierungsvorschläge dürfen aber angemerkt werden.

Es kommt immer auf Genre und Verwendung von Texten an. Die Leistung und die Tiefe der Bearbeitung ist individuell verhandelbar. Oftmals sind die Übergänge fließend. Manche Lektor*innen bieten auch ein „Lektorat Plus“ an, bei dem sie beim Lektorieren zusätzlich auch auf Orthografie achten.

Deleaturzeichen
Das ist ein Deleaturzeichen. Mit diesem Korrekturzeichen markiert man Streichungen.

Brauche ich als Selfpublisher ein Lektorat oder Korrektorat?

Selfpublisher fragen oft, ob sie überhaupt ein Lektorat oder Korrektorat benötigen oder ob sie sich das Geld nicht sparen können. Es gäbe doch schließlich Rechtschreibkorrekturprogramme, das müsse doch reichen. Die Antwort ist: Rechtschreibkorrekturprogramme sind schon ganz gut und machen einen auf viele Fehler aufmerksam, sie ersetzen aber bei weitem kein gründliches Korrektorat. Es sind eben Programme, die längst nicht jeden Fehler finden, weil sie den jeweiligen Zusammenhang nicht erkennen und aus Buchstabendrehern auch nicht das gemeinte Wort erraten können.

Diese Fehler begegnen mir besonders häufig in Texten. So vermeidest du sie.

Wer viel Zeit und Herzblut damit verwendet hat, ein Buch zu schreiben, sollte an einem geschulten Blick von außen nicht sparen. Wir stecken beim Schreiben inhaltlich zu sehr im Text, das Auge wird dann betriebsblind und sieht Fehler im eigenen Text nicht. Das ist ganz normal.

Hier findest du 5 Tipps zum Korrekturlesen deiner eigenen Texte.

Schlecht geschriebene Texte mit Rechtschreibfehlern wirken unprofessionell. Hier kommt es natürlich auf den eigenen Qualitätsanspruch und Verwendung des Textes an. Handelt es sich um Texte fürs eigene Business, sollte auf keinen Fall an einer gründlichen Korrektur gespart werden. Wer als Hobby schreibt oder seine Memoiren verewigen möchte, kann den eigenen Anspruch am besten selber beurteilen.

Was kostet das?

Die Frage, was ein Lektorat oder ein Korrektorat kostet, ist von vielen Faktoren abhängig und kann nicht pauschal beantwortet werden. Berechnungsgrundlage ist zum einen der Gesamtumfang des Textes, dessen Zeichenzahl (inkl. Leerzeichen) als Normseite (1.500 Zeichen) umgerechnet wird. So erhält man die Seitenzahl in Normseiten. Dabei spielen Schriftgröße, Abstände, Seitenränder, Bilder usw. keine Rolle.

Zum anderen kommt es auf den Zeitaufwand an, und der ist wiederum abhängig, in welcher Tiefe der Text bearbeitet wird. Eine reine Rechtschreibkorrektur geht natürlich schneller, als ein sorgfältiges Lektorat, bei dem inhaltlich viel recherchiert und stilistisch an Formulierungen gefeilt wird. Erfahrene Lektor*innen haben natürlich auch höhere Stundensätze, sind mit ihrem geschulten Blick aber ihr Geld auch wert.

Fazit

Lektorat und Korrektorat sind zwei völlig verschiedene und klar definierte Leistungen. Die meisten Lektor*innen sind auf bestimmte Genres und Textarten spezialisiert. Viele freie Lektor*innen bieten neben Lektoraten auch Korrektorate an und bezeichnen das als „Lektorat Plus“. Letzlich entscheidet der Auftraggber oder die Auftraggeberin, bis zu welcher Tiefe ein Text bearbeitet werden soll. Der Preis wird entsprechend Textumfang und veranschlagtem Zeitaufwand kalkuliert.

6 Antworten

  1. Was für ein toller Beitrag, ich habe viel gelernt. Das Korrekturzeichen kenne ich, weil ich ja aus einem Medienunternehmen komme. Der Teufel steckt dann immer im Detail. Jetzt weiß ich auch warum manche Bücher so gruselig schlecht zu lesen sind, dass ich sie sofort wieder aus der Hand nehme: Kein Lektorat 😉 Das, sollte sich jeder Autor gönnen, denn nichts ist schlimmer als schwer zu lesende Bücher.

    Gruß, Marita

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar, liebe Marita. Ja, das merkt man immer sofort, wenn beim Lektorat gespart wurde. Fehler in Texten sind einfach ein Aufmerksamkeitsvampir. Mich lenkt sowas sofort vom Inhalt ab.

    1. Nicht schlimm … Wir können ja ein Quiz draus machen, dann dürfen alle mitraten 😉
      Wer erkennt im ersten Kommentar alle Kommafehler? Wie viele sind es und wo verstecken sie sich?

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