Frau sitzt auf Bücherstapel

Was, ernsthaft? Du liebst Rechtschreibung? Ja, ich kann mich tatsächlich dafür begeistern, wovor es anderen graut und sie sich gerne drum herumdrücken. Rechtschreibung ist so schön konkret. Ich liebe das!

In meiner Tätigkeit als Lektorin ist Rechtschreibung aber nur ein Teilbereich, den ich anwende, um einem Text den letzten Schliff zu verpassen und ihn sprachlich zu optimieren. Außer auf Rechtschreibung achte ich beim Lektorieren von Texten in erster Linie auf Inhalt und Struktur, Logik, den roten Faden, Verständlichkeit, Lesbarkeit, Stil, Satzbau und einiges mehr. Aber Rechtschreibung ist ein Steckenpferd von mir. Warum ich sie so liebe, verrate ich dir in diesem Artikel.

1. Korrekte Texte ohne Rechtschreibfehler – ein Genuss!

Korrekte Texte sind mir beim Lesen wichtig. Über Rechtschreibfehler kann ich mich so richtig aufregen. Hat ein Text zu viele Rechtschreibfehler, mag ich nicht mehr weiterlesen. Er ist dann ungenießbar, wie eine versalzene Suppe. Egal, wie gut der Inhalt ist. Und schon ziehe ich Rückschlüsse auf die Kompetenz der Verfasserin oder des Verfassers und die Qualität des Textes. Und das muss ja nicht sein. Daher kann ich Autor*innen nur empfehlen: Gönnt euch für eure Publikation ein professionelles Lektorat.

2. Hier bin ich Nerd und darf es sein

Beim Korrigieren eines Textes blende ich den Inhalt komplett aus und pflüge mich Silbe für Silbe und Wort für Wort durch den Text. Kein verstellter Buchstabe entgeht mir, kein falsch geschriebenes Wort. Kommas an der falschen Stelle fliegen rigoros raus und fehlende ergänze ich an der richtigen Stelle. Hier werde ich zur Pingelliese und Korinthenkackerin – und das ist gut so.

Lektorin mit Bücherstapel
Hier bin ich Nerd und darf es sein

3. Klarheit und Struktur

Ich liebe Klarheit und Struktur. Sie befriedigen mein Perfektionismus-Gen. Mag sein, dass ich oft als streng wahrgenommen werde. Das ist sicherlich eine Seite von mir. Aber es gibt da auch die chaotische, kreative Kerstin. Rechtschreibung hilft mir, mich zu strukturieren und zu fokussieren und Ordnung in einen Text zu bringen. Ich vereinheitliche Schreibweisen und bringe damit Ruhe in einen Text.

4. Die Jagd auf Aufmerksamkeitsvampire

Die Jagd auf Aufmerksamkeitsvampire ist meine heimliche Leidenschaft. Hier schlägt mein Jägerinnenherz höher. Ich spüre sie auf und eliminiere sie. Nichts soll den Text von seinem Inhalt ablenken. Einheitlich und regelkonform soll er sein, damit sich die Leserin oder der Leser voll auf den Inhalt konzentrieren kann. Im Straßenverkehr halten wir uns ja schließlich auch an Regeln, um ein Chaos zu verhindern.

5. Typografie-Fan

Ich bin ein Fan von typografisch gut gestalteten Texten. Das Auge „isst“ ja auch beim Lesen mit. Forssmann/de Jongs Detailtypografie ist mein absolutes Lieblingsstandardwerk. Ich prüfe beim Lektorieren nicht nur die Textblöcke, sondern auch den Weißraum und die Proportionen. In diesem Glossar habe ich die wichtigsten Begriffe zu Rechtschreibung und Korrekturlesen zusammengestellt.

Frau schaut über Buch zu Datailtypografie
Mein Lieblingsstandardwerk: Forssmann/de Jong, Detailtypografie

6. Rechtschreibung ist so schön konkret

Dafür gibt es klare Regeln, an denen ich mich orientieren kann. Sie stehen alle im Rechtschreib-Duden und ich kann sie bei Bedarf nachschlagen: von Apostroph bis Zusammentreffen dreier gleicher Buchstaben. Wann werden Wörter klein- und wann großgeschrieben und wann zusammen oder getrennt? So wird es geschrieben und nicht anders. Hier werde ich fündig und kann auf Nummer sicher gehen.

7. Korrekturlesen als Meditation

Einen Text zu korrigieren, beruhigt mich. Hierbei kann ich alles um mich herum ausblenden und mich ganz auf den vorliegenden Text fokussieren. Einen Text zu korrigieren, hat für mich etwas Meditatives. Ich kann ihn Wort für Wort prüfen und besser machen. Das beruhigt meine chaotische Art und meine Angst, mich zu verzetteln, wenn ich zu viele To-dos auf der Liste habe.

Korrekturlesen eines Textes mit Rotstift auf Papier
Das Auge erkennt Fehler besser im Ausdruck auf Papier

8. Alles rot!

Das Ergebnis meiner Arbeit sehe ich in der Korrekturspalte: So viele Fehler habe ich aus dem Text geholt. Alles rot! Geil! Das triggert meinen sportlichen Ehrgeiz an. Wenn ich die Kommentarfunktion ausblende, freue ich mich, einen fehlerfreien und optisch ansprechenden Text zu lesen. So mache ich die Textwelt ein kleines bisschen besser, wichtige Inhalte damit verständlicher und Autor*innen glücklicher.

9. Kommas als Geländer

Kommas sind das Drahtseil an einem Bergsteig, das mich sicher durch schwierige Passagen am Felsen führt. Ich hangle mich beim Lesen von Komma zu Komma, kann beim Lesen Pausen einlegen und den Inhalt viel leichter erfassen. Kommas an den falschen Stellen oder fehlende behindern den Lesefluss und führen zuweilen sogar zu Missverständnissen.

10. Mehr als ein Rechtschreibkorrekturprogramm

Oft höre ich, dass Rechtschreibkenntnisse unnötig seien, weil es doch so Rechtschreibkorrekturprogramme gäbe. Sie sind in der Tat hilfreich und finden schon eine Menge Fehler. Aber längst nicht alle, weil sie den Kontext nicht verstehen und auch bei Buchstabensalat nicht raten können, welches Wort gemeint ist. Beim Veröffentlichen einer Publikation ersetzen solche Programme jedenfalls kein professionelles Lektorat.

Du planst eine Fachpublikation und bist auf der Suche nach einem professionellen Lektorat? Sprich mich gerne an und ich sage dir, wie eine Zusammenarbeit mit mir aussieht.

Du interessierst dich für Sprachthemen? Dann lies mal hier:

6 Antworten

  1. Liebe Kerstin,

    was für eine schöne Liebeserklärung an die Rechtschreibung! Wie interessant, dass du beim Korrekturlesen so Hochgefühle hast!

    Für mich als Lehrerin war Korrigieren eher eine lästige Qual. Das lag daran, dass es unheimlich ermüdend ist, 30 Texte zum selben Thema entziffern zu müssen. Dass jeder Text dann auch noch benotet werden musste, machte das Ganze auch nicht angenehmer.

    Wenn ich allerdings einen einzelnen Text Korrektur lese, kann ich deine Begeisterung nachvollziehen.

    Viele Grüße, lieber Rechtschreib-Nerd!

    Ilka

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar, liebe Ilka. Naja, ich musste beim Schreiben etwas schmunzeln und wollte mich selber auf die Schippe nehmen. Einen Klassensatz Aufsätze möchte ich auch nicht korrigieren müssen. Bin froh, keine Lehrerin zu sein. Ich habe da schon Publikationen von Verlagen, Stiftungen, Institutionen, Unternehmen mit einem gewissen Niveau vor Augen. Oder eben Unternehmerinnen, die ihr Expertinnenwissen als Buch veröffentlichen möchten.

  2. So viel Mal ja, liebe Kerstin!
    Ich sitze hier grinsend vorm Screen, weil ich mich so oft wiedergefunden habe 🙂 Ich kann zum Beispiel das Meditative am Lektorieren verstehen. Habe das zu Agenturzeiten auch für Kund:innen angeboten und fand das eine wahnsinnig befriedigende, beruhigende Tätigkeit. Und kenne auch das Ding mit den Aufmerksamkeitsvampiren (eine wunderschöne Wortkreation!). Mich macht es wahnsinnig, in einem Text hintereinander Home Office, Home-Office und Homeoffice zu lesen…
    Letztens hätte ich fast ein Hotel storniert wegen einer unterirdischen Mail. Nicht, weil der Inhalt unverschämt war, sondern weil die Dame es geschafft hat, in einem kurzen Text mit 13 Wörtern elf (!!!) Fehler einzubauen. Ich war echt auf dem Baum und habe nur gedacht: „Ich hoffe, die sind bei den Zimmern sorgfältiger als bei ihren E-Mails!“ Naja, wir sind dann doch gefahren. Aber im Gedächtnis bleibt mir vor allem diese E-Mail.
    Hast du eigentlich einen Newsletter? Habe ich den schon abonniert? Ich geh gleich mal gucken!

    1. Liebe Djuke, hey, you made my day! Ich freue mich so sehr über dein Feedback und dass es dir auch so geht, wenn du fehlerhafte Texte liest. Ich bin also kein Alien, was das betrifft … 😉
      Ja, ich habe einen Newsletter, den ich 14-tägig verschicke. Schau mal auf meiner Website.
      Liebe Grüße
      Kerstin

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